Das ultimative ESP32-CAM-Upgrade: Freenove S3 WROOM mit 3MP OV3660

Erinnert ihr euch noch an meinen Testbericht über das klassische ESP32-CAM Modul – gut, günstig und vielfältig? Das kleine Board ist nach wie vor der ungeschlagene Preis-Leistungs-König für einfache WLAN-Kameras. Aber es hat auch seine Tücken: Die Programmierung über den fummeligen FTDI-Adapter nervt auf Dauer, und für moderne KI-Anwendungen (wie Gesichtserkennung) ist der alte Chip inzwischen zu schwach.

Es ist Zeit für ein Upgrade.

Ich habe mir das Freenove ESP32-S3 WROOM Board genauer angesehen. Und wie sich herausstellt, habe ich eine Version erwischt, die nicht nur den neuen Chip hat, sondern auch ein „heimliches“ Kamera-Upgrade. War so nicht in der Artikelbeschreibung mitangegeben.

Warum dieses Board der ideale Nachfolger für das klassische Modul ist und welche Stolperfalle es im Code gibt, zeige ich euch heute.

1. Der Chip: ESP32-S3 vs. der Klassiker

Der offensichtlichste Unterschied liegt im Herzen des Boards. Das klassische Modul nutzt den alten ESP32-Chip. Das neue Freenove Board setzt auf den modernen ESP32-S3.

Was bedeutet das für uns in der Praxis?

  1. Endlich natives USB!
    Vergesst den Kabelsalat mit FTDI-Adaptern, GND-Brücken und Reset-Knöpfen. Das Freenove S3 hat zwei USB-C Anschlüsse. Der erste Anschluss beschriftet mit „UART“ und ist der Haupt-Anschluss zum Programmieren. Einstecken, in der IDE den Port wählen, hochladen. Fertig.
    Der zweite Anschluss beschriftet mit „USB“ kann als man HID – Human Interface Device verwenden. Also als Tastatur, Maus oder Gamepad am PC.
  1. KI-Power unter der Haube
    Der S3-Chip wurde speziell für einfache AI-Anwendungen (künstliche Intelligenz) optimiert. Er hat spezielle „Vektorbefehle“, die neuronale Netze beschleunigen. Während das alte Board bei der Gesichtserkennung mit 1-2 Bildern pro Sekunde vor sich hin ruckelte, schafft der S3 das viel flüssiger und zuverlässiger.
  2. Mehr Speicher
    Das mir vorliegende Board hat 8 MB Flash und 8 MB PSRAM (N8R8 auf Gehäuse eingestanzt) kann somit viel größere und komplexere Programme ausführen als auf dem alten Modul mit seinen knappen 4 MB Flash. Es gibt inzwischen auch eine N16R8 Version.

2. Das Camera Upgrade: OV3660 statt OV2640

Jetzt wird es interessant. Auf den meisten günstigen Kamera-Modulen (auch vielen S3-Varianten) sitzt die Standard-Kamera OV2640. Die ist „okay“ und liefert 2 Megapixel (1600×1200).

Das mir vorliegende Freenove-Modul hat jedoch eine OV3660 verbaut.

  • OV2640 (Standard): 2 Megapixel
  • OV3660 (Upgrade): 3 Megapixel (2048×1536)

Die OV3660 liefert nicht nur eine höhere Auflösung, sie ist oft auch etwas lichtstärker und hat je nach verbautem Objektiv einen weiteren Blickwinkel. Der stärkere S3-Chip ist auch notwendig, um diese höheren Datenmengen der 3MP-Kamera flüssig zu verarbeiten. Wir haben hier also eine echte „Pro“-Version der Bastelkamera.

3. Die Stolperfalle im Code (Visual Studio Code / Arduino IDE)

Hier kommt der Punkt, an dem viele verzweifeln. Ihr nehmt das neue Board, ladet das Standard „CameraWebServer“ Beispiel aus dem Internet, und… nichts passiert. Oder das Bild ist komplett grün und verzerrt.

Das Problem: Die meisten Beispiel-Sketche sind standardmäßig auf die alte OV2640 Kamera und das alte Pin-Layout des AI-Thinker Moduls eingestellt.

Die Lösung: Wir müssen dem Code sagen, welche Pins das Freenove S3 Board nutzt und sicherstellen, dass der Treiber die OV3660 erkennt.

Wenn ihr in Visual Studio Code (mit PlatformIO) oder der Arduino IDE arbeitet, sucht in eurem Haupt-Sketch (oft ganz am Anfang oder in einer Datei wie camera_pins.h) nach dem Abschnitt, wo das Kameramodell definiert wird.

So sieht das falsche Standard-Beispiel aus:

// HIER NICHTS AUSDÜNNEN, DAS IST DAS STANDARD-BEISPIEL
// ===================
// Select camera model
// ===================
//#define CAMERA_MODEL_WROVER_KIT // Has PSRAM
//#define CAMERA_MODEL_ESP_EYE // Has PSRAM
#define CAMERA_MODEL_AI_THINKER // <--- Das ist das ALTE Modul mit OV2640!

Wenn ihr das so lasst, stimmen die Pins für das S3 Board nicht.

So macht ihr es richtig für das Freenove S3:

Verwendet die gutbeschriebene Anleitung mit den von Freenove bereitgestellten Beispielcode:

Quelle: Freenove – Vollständiger Download

Test mit Beispiel: VideoWebServer

Anleitung und Sketch: 7. Chapter Camera Web Server — fnk0085-docs v1.0.0 documentation

Fazit

Das Freenove ESP32-S3 mit der OV3660 Kamera ist ein fantastisches Upgrade. Es beseitigt die Frustration beim Programmieren durch den USB-Anschluss und liefert dank des besseren Sensors und des schnelleren Chips eine Leistung, die für moderne IoT-Projekte (wie Türklingeln mit Gesichtserkennung) notwendig ist.

Wer nur alle 10 Minuten ein Bild seines 3D-Druckers braucht, kann beim alten ESP32-CAM bleiben. Wer aber mehr will und keine Lust auf Kabelsalat hat, sollte sich die S3-Variante unbedingt ansehen – besonders wenn die bessere OV3660 Kamera dabei ist!

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